Umsatz liegt bis Juli um 10,4 Prozent unter Vorjahresniveau
„Normalerweise bringt der Herbst Rückenwind für unsere Branche. In diesem Jahr bläst uns der Wind allerdings noch immer kräftig ins Gesicht“, sagte Leo Lübke, Vorsitzender des Verbands der Deutschen Polstermöbelindustrie (VdDP), heute auf der Jahres-Pressekonferenz des Verbandes in Herford. Vor dem Hintergrund sinkender Umsätze fallen die Erwartungen der Branche verhalten aus. Das spiegelt sich auch in der aktuellen Wirtschaftsumfrage der Verbände wider. Mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen rechnen nicht mit einer spürbaren Belebung im zweiten Halbjahr 2026. Rund 60 Prozent nutzen im dritten Quartal Kurzarbeit. Als Hauptbelastungsfaktoren nannten die Befragten das anhaltend schwache Konsumklima sowie steigende Materialkosten.
„Ein Polstermöbel kauft man deutlich spontaner als zum Beispiel eine Küche“, erläuterte Lübke. „Solche ‚Lustkäufe‘ bleiben im Moment vielfach aus, weil die Menschen angesichts steigender Lebenshaltungspreise und geopolitischer Unsicherheiten das Geld zusammenhalten.“ Hinzu komme, dass deutsche Hersteller eher im Hochwert-Bereich zu finden sind. „Polstermöbel werden sehr handwerklich produziert. Dadurch sind die Lohn- und Sozialkosten sehr hoch. Außerdem sind in einem Sessel oder Sofa eine Vielzahl von Materialien enthalten, die ebenfalls immer teurer werden. Dennoch setzen wir auf die Stärken unserer Hersteller: Qualität, Innovation und Möbel, die den Menschen ein Zuhause zum Wohlfühlen schaffen. Einen ruinösen Preiskampf können und wollen wir nicht führen, weil dies am Ende zulasten von Qualität, Nachhaltigkeit und Arbeitsplätzen in Deutschland ginge.“
Umsätze bis Juli um 10,4 Prozent zurückgegangen
Wie sich die Marktentwicklung derzeit konkret darstellt, erläuterte Verbandsgeschäftsführer Jan Kurth. Nach amtlichen Zahlen lag der Umsatz der deutschen Polstermöbelindustrie in den ersten sieben Monaten dieses Jahres um 10,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Besonders das Inlandsgeschäft entwickelte sich mit einem Minus von rund 11 Prozent schwach, während die Auslandsumsätze um rund 9 Prozent zurückgingen. Im Hitze-Monat Juli allein verzeichnete die Branche einen Umsatzrückgang von mehr als 13 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
Auch im Exportgeschäft blieb die Entwicklung verhalten. Die Schweiz behauptete mit einem Exportvolumen von rund 104 Millionen Euro ihre Position als größter Auslandsmarkt und lag nahezu auf Vorjahresniveau. In wichtigen europäischen Märkten wie Österreich, den Niederlanden, Italien und Großbritannien verzeichneten die Hersteller hingegen zum Teil deutliche Rückgänge. Positive Impulse kamen aus Frankreich, wo die Exporte um 13,1 Prozent auf gut 57 Millionen Euro zulegten. Insgesamt zeigt sich, dass die Kaufzurückhaltung nicht auf Deutschland beschränkt ist, sondern auch viele europäische Absatzmärkte erfasst. Die schwache Auslandsnachfrage kann die Rückgänge im Inland derzeit nicht kompensieren.
Der Importdruck bleibt trotz rückläufiger Einfuhren hoch. Zwar gingen die Polstermöbelimporte in den ersten sieben Monaten 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp 4 Prozent auf rund 1,63 Milliarden Euro zurück, sie lagen damit jedoch noch 11,2 Prozent über dem Niveau von 2024. Aus Polen, mit einem Anteil von 41,1 Prozent das mit Abstand wichtigste Lieferland, wurden Polstermöbel im Wert von rund 670 Millionen Euro eingeführt. Weitere rund 415 Millionen Euro entfielen auf China. Damit kamen rund zwei Drittel der gesamten Polstermöbelimporte allein aus diesen beiden Ländern. Gegenüber dem Vorjahr gingen die Einfuhren aus Polen und China jeweils um 4,6 Prozent zurück. Im Vergleich zu 2024 lagen sie jedoch weiterhin deutlich höher: bei Polen um 8,1 Prozent und bei China um 19,5 Prozent. Kräftige Zuwächse gegenüber dem Vorjahr verzeichneten zudem Vietnam mit 16,9 Prozent und Litauen mit 31,0 Prozent.
„Der leichte Rückgang der Einfuhren darf nicht darüber hinwegtäuschen, wie massiv der Importdruck inzwischen ist“, betonte Kurth. „Allein aus Polen und China kommen Polstermöbel im Wert von fast 1 Milliarde Euro nach Deutschland. Unsere mittelständisch geprägten Hersteller müssen sich in einem schrumpfenden Markt gegen Anbieter behaupten, die häufig unter deutlich günstigeren Kosten- und Regulierungsbedingungen produzieren.“
Wohnungsbau und Regulatorien bremsen die Trendwende aus
Die Ursachen für die schwierige Marktlage ähneln denen der gesamten deutschen Möbelindustrie. Zur Kaufzurückhaltung der Verbraucherinnen und Verbraucher sowie steigenden Kosten kommt der anhaltend schwache Wohnungsbau. Weniger Neubauten und Umzüge bedeuten unmittelbar weniger Nachfrage nach Polstermöbeln. Nach Angaben des Pestel-Instituts fehlen in Deutschland inzwischen rund 1,35 Millionen Wohnungen.
„Wir brauchen hier dringend mehr Dynamik und verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen“, betonte Kurth. „Unsere Unternehmen kämpfen derzeit gleichzeitig an mehreren Stellen: gegen politische Verunsicherung, gegen eine schwache Nachfrage, steigenden internationalen Wettbewerbsdruck und eine wachsende Regulierungsdichte.“
Vor allem die Umsetzung europäischer Vorgaben verursacht erheblichen Aufwand, wie Leo Lübke deutlich machte. Die deutsche Polstermöbelindustrie bekenne sich klar zu Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft. Viele Hersteller investierten seit Jahren in langlebige Produkte, hochwertige Materialien und nachhaltigere Produktionsprozesse. „Wir stehen hinter den Zielen der europäischen Ökodesign-Verordnung, dem Digitalen Produktpasses und einer stärkeren Kreislaufwirtschaft“, sagte Leo Lübke. „Was wir aber brauchen, sind praxistaugliche Regelungen, Flexibilität in der Umsetzung, längere Übergangszeiträume und weniger Bürokratie. Nachhaltigkeit entsteht nicht durch zusätzliche Formulare, sondern durch gute Produkte, innovative Prozesse und engagierte Menschen in den Betrieben.“
Umso wichtiger sei es, ausreichend qualifizierten Nachwuchs für die Branche zu gewinnen. Besonders die handwerksnahe Ausbildung liegt ihm am Herzen: „Berufe in der Näherei, Polsterei oder in der Arbeit mit Holz haben große Tradition. Hier werden alte Techniken gepflegt und mit modernen Maschinen weiterentwickelt. Gleichzeitig werden diese Berufe nicht in absehbarer Zeit durch künstliche Intelligenz oder Robotik ersetzt werden können. Eine Ausbildung in diesen Bereichen ist also zukunftssicher.“ Potenzial sieht Lübke nicht nur in der Möbelherstellung, sondern auch in der Instandhaltung und Reparatur alter Möbel. „Ein Thema, das immer mehr an Bedeutung gewinnt“, so der Verbandsvorsitzende.
Trends der Herbstmessen 2026: Harmonie, Natürlichkeit und neue Wohnlichkeit
Die laufenden Haus- und Herbstmessen zeigen vor allem eines: Natürlichkeit und Gemütlichkeit liegen weiterhin im Trend. Gefragt sind organisch geformte Möbel mit weichen Silhouetten, die offene Räume strukturieren und zugleich ein wohnliches, entspanntes Ambiente schaffen. Neben Füßen aus unterschiedlichen Materialien, oft abgestimmt auf die sonstige Einrichtung, sind auch bodennahe Lösungen im Kommen.
Die Farbpalette reicht von hellen Naturtönen wie Sand, Beige und Taupe bis hin zu rauchig abgestimmten Akzenten in Terrakotta, Oliv, Salbei oder mineralischen Blau- und Grüntönen. Natürliche Materialien, strukturierte Stoffe, Wolle und Leder sowie sichtbare Maserungen und handwerklich anmutende Oberflächen unterstreichen den Wunsch nach Haptik, Authentizität und Beständigkeit.
Gleichzeitig gewinnen wohnlich inszenierte Metallakzente, etwa aus Chrom, an Bedeutung. Organische Formen behaupten ihren Platz, werden jedoch klarer und architektonischer. „Man kann fast von Wohnskulpturen sprechen“, erläuterte Leo Lübke. Möbel sollen heute jedoch nicht nur gut aussehen, sondern sich unterschiedlichen Lebenssituationen anpassen. Entsprechend setzen die Hersteller verstärkt auf intelligente Komfortfunktionen wie bewegliche Rücken- und Armlehnen oder modulare Erweiterungen. Variable Ablagen oder integrierte Ladefunktionen erleichtern den Alltag, ohne die Gestaltung in den Hintergrund zu drängen.
Auffällig ist zudem das zunehmende Zusammenwachsen der verschiedenen Möbelwelten. Polstermöbel, Wohn-, Ess- und Objektmöbel werden gestalterisch stärker aufeinander abgestimmt, sodass harmonische Gesamträume entstehen. Einige Hersteller präsentieren ganzheitliche Einrichtungskonzepte und suchen dafür gezielt die Zusammenarbeit mit Partnern aus angrenzenden Wohnbereichen.
„Das Sofa bleibt das Herzstück des Wohnraums“, sagt Leo Lübke. Entsprechend prägen großzügige Sofalandschaften die aktuellen Kollektionen. Gleichzeitig gewinnen komfortable Polsterstühle im Dining-Bereich weiter an Bedeutung, denn das gemeinsame Essen und Zusammensein in den eigenen vier Wänden erlebt eine neue Wertschätzung. Auch Loungesessel mit passendem Hocker sind auf vielen Messeständen präsent und schaffen persönliche Rückzugsorte mit hohem Komfortanspruch.
Für zusätzliche Wohnlichkeit sorgen textile Elemente. Insbesondere Teppiche erleben eine Renaissance und werden wieder stärker als wichtiges Gestaltungselement eingesetzt. Sie strukturieren offene Grundrisse, verbessern die Raumakustik und verleihen Räumen Wärme und Behaglichkeit. Insgesamt stehen die Wohntrends 2026 für eine neue Balance aus Wohnlichkeit, Funktionalität und gestalterischer Harmonie. Sie verbinden sinnliche Materialien mit flexibler Nutzung und schaffen Räume, die Geborgenheit vermitteln und zugleich den vielfältigen Anforderungen des modernen Wohnens gerecht werden.

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