Bauministerkonferenz: Rückenwind für serielles Bauen, beim Vergaberecht keine neue Initiative
Die Bauministerkonferenz hat am 12.10.2026 das vollständige Ergebnisprotokoll ihrer 149. Sitzung vom 10.09. und 11.09.2026 in Berlin veröffentlicht. Über die Sitzung hatten wir bereits berichtet; das Protokoll zeigt nun die Beschlüsse im Detail. Aus Sicht der Holzindustrie sind fünf davon besonders relevant.
Normung: Baukosten von Anfang an berücksichtigen. Die Bauministerkonferenz fordert das DIN einstimmig auf, kostensteigernde Standards zu überarbeiten. Die Schutz- und Sicherheitsziele bleiben unberührt; darüber hinausgehende Leistungsniveaus sollen transparent ausgewiesen werden, damit einfache und wirtschaftliche Ausführungen möglich bleiben. Für neue oder wesentlich geänderte Anforderungen sollen die Auswirkungen auf die Baukosten künftig regelhaft und nachvollziehbar abgeschätzt werden. Der HDH unterstützt diesen Ansatz und setzt sich für eine materialneutrale Umsetzung ein.
Serielles und modulares Bauen skalieren. Die Länder bitten den Bund, über sein Konzept einer Bundesbaugesellschaft zu unterrichten. Deren Ausgestaltung soll insbesondere die Skalierungseffekte des seriellen, modularen und systemischen Bauens und Sanierens aktivieren. Der vorgefertigte Holzbau kann hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten.
KfW-Kürzungen mit Sorge gesehen. Einstimmig sehen die Länder die geplante summarische Kürzung von KfW-Förderprogrammen im Neu- und Umbau mit erheblicher Sorge, da die Fertigstellungszahlen deutlich hinter dem Bedarf zurückbleiben. Sie bitten den Bund, das Fördervolumen für Gebäudesanierungen mindestens auf bisherigem Niveau zu sichern.
Nachhaltiges Bauen und bezahlbares Wohnen zusammendenken. Die Konferenz stellt fest, dass Klimaanpassung, nachhaltiges Bauen und bezahlbarer Wohnraum zusammengehören. Die ressourcenschonende Ertüchtigung von Gebäuden soll als gemeinsames Ziel verfolgt werden, ohne das Angebot an bezahlbarem Wohnraum zu verringern.
Industrial Accelerator Act: Ziel ja, Bürokratie nein. Die Länder begrüßen das Ziel grüner Leitmärkte und den „Made in Europe“-Gedanken, lehnen den aktuellen Entwurf aber wegen des erwarteten Bürokratieaufwands für Bauwirtschaft, Vergabe- und Förderstellen ab. Für die Holzindustrie kommt es darauf an, dass grüne Leitmärkte praxistauglich ausgestaltet werden.
Offen bleibt das Vergaberecht
Bereits im November 2025 hatte die Bauministerkonferenz den Bund einstimmig aufgefordert, die vergaberechtlichen Hürden für das serielle, modulare und systemische Bauen rasch abzubauen, und weitere Lockerungen des Losgrundsatzes verlangt. Das seit 01.07.2026 geltende Vergabebeschleunigungsgesetz ist dem nicht gefolgt: Gesamtvergaben bleiben auf Infrastruktur aus dem Sondervermögen und auf Verkehrsinfrastruktur beschränkt. Für den Wohnungsbau und das serielle Bauen ändert sich nichts.
Der HDH hätte sich gewünscht, dass die Bauministerkonferenz ihre eigene Forderung vom November 2025 erneut aufgreift. Gerade der vorgefertigte Holzbau braucht Vergabeverfahren, die gewerkeübergreifende Herstellungsverfahren ermöglichen. Der HDH setzt sich deshalb weiterhin für eine Anpassung des § 97a GWB ein und wird das Thema gegenüber Bund und Ländern erneut adressieren.
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