Der Thinktank Agora-Agrar hat eine Studie zur Zukunft des Landnutzungs- und Ernährungssektors in Deutschland veröffentlicht. Viele der vorgeschlagenen Instrumente wie Lebenszyklus-Grenzwerte, Holzbauquoten und der Ausbau der Kaskadennutzung sind zukunftsweisend, die waldpolitischen Ansätze sind jedoch kritisch zu bewerten. Lesen Sie hier die Analyse der AG Rohholz.
Die waldpolitische Strategie der Studie basiert auf drei Bausteinen: Waldanpassung an den Klimawandel, eine künstliche Ernteverzögerung in stabilen Beständen und verstärkte Aufforstung. Waldumbau und Aufforstung sind grundsätzlich sinnvoll, da sie Kohlenstoff binden und langfristig speichern. Die Ernteverzögerung wird jedoch kritisch gesehen, da ältere Wälder zwar mehr Kohlenstoff enthalten, ihre jährliche CO₂-Bindungsleistung aber sinkt. Junge Wälder binden pro Hektar und Jahr mehr CO₂. Zudem sind alte Bestände anfälliger für Klimastress, was ihre Vitalität und Holzverwendbarkeit einschränkt. Eine verzögerte Holzernte mindert daher sowohl die Klimaschutzwirkung als auch die langfristige Holznutzung.
Die Umsetzung der Ziele soll über Förderprogramme im Privat- und Körperschaftswald erfolgen. Für den Waldumbau werden verkürzte Umtriebszeiten in instabilen Beständen sowie bessere Standortinformationssysteme empfohlen. Um den Waldumbau bis 2045 abzuschließen, wären jährlich rund 120.000 Hektar umzubauen, finanziert über GAK- und ANK-Mittel.
Klimaschutzförderlich sind vor allem Maßnahmen in der nachgelagerten Holznutzung: verpflichtende Holzbauquoten für öffentliche Gebäude, Lebenszyklus-Grenzwerte für Gebäudeemissionen sowie Bonusmodelle für Kohlenstoffspeicherung. Diese könnten bei praxisnaher Ausgestaltung die Nachfrage nach Holz im Bau deutlich erhöhen.
Da mehr Klimaschutz durch Holznutzung erreicht werden soll, ohne den Holzeinschlag zu steigern, setzt die Studie auf effizientere Rohholznutzung, den Ausbau der Kaskadennutzung und eine stärkere stoffliche Nutzung von Laubholz. Gleichzeitig wird ein Rückgang der energetischen Holznutzung angenommen, kompensiert durch den Ausbau von Agroforstsystemen und Kurzumtriebsplantagen.
Fazit:
Rechnerisch geht das Konzept der Agora-Studie auf, der Weg dorthin erscheint jedoch sehr komplex und nur schwer realistisch umsetzbar. Viele Faktoren müssten unmittelbar ineinander greifen. Einzelne Fehlentwicklungen könnten schnell zu einer künstlichen Rohstoffverknappung führen. Aus Sicht der AGR sollten daher die LULUCF-Sektorziele hinterfragt und der Fokus stärker auf die Stabilisierung der Waldökosysteme gelegt werden, während Einsparungen in anderen Sektoren verstärkt werden. Für 2026 ist eine weitere, speziell auf Wälder ausgerichtete Studie angekündigt.