Wirtschaft-Kompakt: Explodierende Rohstoffpreise fressen die Erträge der Holz- und Kunststoffindustrie auf
Der HDH-Konjunkturindikator zeigt für Juni 2026 ein gespaltenes Bild: In der Holzindustrie trübte sich die Stimmung weiter ein, der Indikator sank auf -32,8 Punkte (Vormonat: -30,4) und liegt damit weiterhin deutlich unter dem Wert für das gesamte Verarbeitende Gewerbe (-12,8 Punkte). Einzig der Holzfertigbau bewertet seine Geschäftslage positiv (+11,8 Punkte) – getragen von einem kräftigen Plus bei genehmigten Ein- und Zweifamilienhäusern (+13,1 Prozent) und Fertighäusern (+15,2 Prozent). Sägeindustrie (-36,9), Möbelindustrie (-27,0) und Holzwerkstoffindustrie (-14,8) bewerten ihre Lage dagegen deutlich negativer. In der Kunststoffe verarbeitenden Industrie hat sich die Stimmung nach dem scharfen Einbruch infolge des Iran-Kriegs leicht erholt (-14,0 Punkte, Vormonat: -15,6) – die Lage am Persischen Golf bleibt aber instabil, Energie- und Rohstoffkosten hoch.
Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes für April 2026 bestätigen dieses Bild, wenn man genauer hinschaut: Der Umsatz der Holzindustrie stieg zwar nominal um 2,9 Prozent, kumuliert über die ersten vier Monate liegt er aber mit -0,4 Prozent leicht im Minus. Gleichzeitig sank die Zahl der Betriebe mit 50 und mehr Beschäftigten binnen Jahresfrist um 3,8 Prozent, die Beschäftigtenzahl um 3,1 Prozent. In der Kunststoffe verarbeitenden Industrie ist das Muster ähnlich, wenn auch schwächer ausgeprägt.
Der entscheidende Grund dafür liegt bei den Rohstoff- und Energiekosten. Der neue HDH-Wirtschaft-Kompakt legt erstmals die Preisentwicklung zentraler Vorprodukte gegenüber dem Basisjahr 2021 offen – und die Zahlen sind deutlich: Industrieholz Nadel liegt mittlerweile 103 Prozent über dem Niveau von 2021, Stammholz Fichte hat sich mit einem Plus von 97 Prozent nahezu verdoppelt. Am stärksten betroffen sind Hackschnitzel: Ihr Preis liegt inzwischen 164 Prozent über 2021 – mehr als eine Verzweieinhalbfachung. Grund ist ein spürbar zurückgegangenes Rohholzaufkommen, nachdem die Borkenkäferkalamitäten der Jahre 2020 bis 2022 abgeklungen sind – die Industrie konkurriert seither verstärkt um den Rohstoff. Auch bei Energie bleibt die Lage angespannt: Der Erdgaspreis liegt trotz eines Rückgangs vom Krisenhoch immer noch 63 Prozent über dem Niveau von 2021, der Strompreis mit 14 Prozent deutlich niedriger, aber ebenfalls noch darüber.
Für den HDH ist der Befund eindeutig: Die nominalen Umsatzsteigerungen einzelner Segmente – etwa in der Sägeindustrie oder bei Holzverpackungen – spiegeln überwiegend Preis-, nicht Mengeneffekte wider und geben damit ein verzerrtes Bild der tatsächlichen wirtschaftlichen Lage. Dass Unternehmen trotz gestiegener Umsätze Personal abbauen, zeigt, wie sehr die Margen unter Druck stehen – verschärft durch die zum 1. Januar 2026 in Kraft getretene Mindestlohnerhöhung auf 13,90 Euro. Das schlägt sich auch in der Zahl der Unternehmensinsolvenzen nieder, die laut IWH im ersten Quartal 2026 den höchsten Stand seit 2005 erreichte – besonders betroffen ist das Baugewerbe als zentraler Abnehmermarkt der Holzindustrie.
Der vollständige HDH-Wirtschaft-Kompakt mit allen Konjunkturdaten und Fachzweig-Auswertungen steht hier zum Download bereit.
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