Standortkosten belasten Holz- und Kunststoffindustrie: HDH fordert Reformtempo
Berlin, 4. September 2026. Hohe Standortkosten, die Baukrise und die Konsumzurückhaltung setzen die Holz und Kunststoffe verarbeitende Industrie in Deutschland weiter unter Druck. Im ersten Halbjahr 2026 gingen in der Holzindustrie sowohl die Zahl der Betriebe als auch die Beschäftigung deutlich zurück. Der Hauptverband der Deutschen Holzindustrie und Kunststoffe verarbeitenden Industrie (HDH) fordert, die Kostenbelastung der Unternehmen am Standort Deutschland zu senken.
Der Umsatz der Holzindustrie-Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten sank im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,4 Prozent auf knapp 18 Milliarden Euro. Die Zahl der Betriebe ging um 4 Prozent, die der Beschäftigten um 3,5 Prozent zurück. Seit Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 hat die Branche damit über 20.000 Arbeitsplätze verloren. Das sind fast 15 Prozent, größtenteils in der Möbelindustrie. Das geht aus Zahlen des statistischen Bundesamtes hervor.
Im baunahen Bereich zeichnet sich dagegen eine Stabilisierung ab. Die Umsätze lagen im ersten Halbjahr nur noch 0,3 Prozent unter dem Vorjahresniveau, in den vergangenen Monaten zeigte die Entwicklung bereits nach oben. Dazu passt die Belebung bei den Baugenehmigungen. Bei den Fertigstellungen ist die Trendwende allerdings noch nicht angekommen. Die Rohholz verarbeitenden Industrien stehen hingegen trotz leichter Umsatzzuwächse aufgrund gestiegener Rohstoffpreise und einer anhaltend schwierigen Absatzsituation weiter unter erheblichem Druck.
In der Kunststoffe verarbeitenden Industrie stieg der Umsatz im ersten Halbjahr 2026 um 2,9 Prozent auf rund 32,3 Milliarden Euro. Doch auch hier sank die Zahl der Betriebe um 1,3 Prozent, die der Beschäftigten um 1,2 Prozent. Das ist ein Zeichen dafür, dass steigende Kosten den Ertrag stärker belasten, als es die Umsatzzahlen zunächst vermuten lassen.
„Die wirtschaftliche Lage bleibt für unsere Branchen äußerst herausfordernd“, erklärt HDH-Hauptgeschäftsführer Dr. Denny Ohnesorge. „Getragen wird das für 2026 erwartete Wirtschaftswachstum in Deutschland fast ausschließlich von gestiegenen öffentlichen Investitionen. Die private Bautätigkeit und der private Konsum hingegen bleiben schwach. Genau davon hängt die Holz- und Kunststoffindustrie überdurchschnittlich ab. Sollten sich Marktsituation und Produktionsbedingungen nicht bessern, drohen weitere Betriebsschließungen. Die Bundesregierung ist mit ersten Reformschritten auf dem richtigen Weg, aber jetzt kommt es darauf an, die Standortkosten zu verringern. Denn aufwendige EU-Vorgaben wie die europäische Verpackungs-Verordnung, die Ökodesign-Verordnung in Verbindung mit dem einzuführenden Digitalen Produktpass sowie hohe Sozialabgaben und Energiekosten machen den Standort Deutschland für viele Unternehmen schlicht zu teuer.“
Zusätzlich verschärfen anhaltende internationale Zoll- und Handelskonflikte den Wettbewerbsdruck insbesondere im Parkett- und Möbelbereich. Der Importdruck aus Fernost bleibt hoch: Der Auslandsanteil am deutschen Möbelmarkt liegt inzwischen bei 60 Prozent. 2019 waren es erst 44 Prozent. „Diese Importe werden häufig unter deutlich niedrigeren Sozial- und Nachhaltigkeitsstandards produziert. Mit diesen Bedingungen können heimische Produzenten kaum mithalten“, erklärt Ohnesorge abschließend.
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