Klimaschutzprogramm 2026: Bundesregierung setzt auf Waldstilllegung statt Klimaschutz
Berlin, 25. März 2025 – Der Hauptverband der Deutschen Holzindustrie (HDH) bewertet das heute von der Bundesregierung vorgestellte Klimaschutzprogramm 2026 als in sich widersprüchlich. Während das Programm den Holzbau ausdrücklich als die einzige heute breit verfügbare Technologie zur Kohlenstoffspeicherung in Gebäuden anerkennt, drohen gleichzeitig Nutzungseinschränkungen in der nachhaltigen Waldbewirtschaftung, die die Rohstoffbasis für ebendiesen klimafreundlichen Baustoff strukturell schwächen.
HDH-Hauptgeschäftsführer Dr. Denny Ohnesorge kommentiert: „Das Klimaschutzprogramm 2026 ist in sich widersprüchlich. Holz in Gebäuden bindet CO2 über Jahrzehnte und ersetzt energieintensiven Beton und Stahl – das steht erfreulicherweise wörtlich im Programm. Aber mit der Einschränkung der nachhaltigen Waldbewirtschaftung leistet die Bundesregierung dem Klimaschutz einen Bärendienst. Sie schränkt damit die Rohstoffquelle für den Holzbau ein und macht die hiesige Bauwirtschaft abhängiger von Holzimporten und von emissionsintensiven Baumaterialien.“
Konkret sollen die Prozesse in der holzverarbeitenden Industrie „hin zur Laubholzverarbeitung umgestellt“ werden, aber auch alte Laubwälder im öffentlichen Besitz mit umfassenden Nutzungseinschränkungen „extensiviert“ werden. Das Förderprogramm „Klimaangepasstes Waldmanagement“ (KWM) soll zudem auf über 2 Millionen Hektar ausgeweitet werden, womit mehr als 15.000 Hektar Wald zusätzlich stillgelegt werden könnten.
„Die Bundesregierung fordert von der Holzindustrie den Umbau auf Laubholz – und sperrt gleichzeitig die Laubholzvorräte weg“, so Ohnesorge. „Das ist industriepolitisch absurd. Wer Transformation ernst nimmt, muss die Rohstoffversorgung sichern, nicht kappen. Öffentliche Wälder sind kein Selbstzweck. Sie sind Teil einer Wertschöpfungskette, die Arbeitsplätze im ländlichen Raum sichert.“
Wissenschaftlich widerlegte Einsparziele als Grundlage des Programms
Hintergrund der Waldbewirtschaftungsmaßnahmen ist eine dramatische Zielverfehlung: Im LULUCF-Sektor – Landnutzung und Forstwirtschaft – weicht Deutschland laut den eigenen Projektionsdaten im Jahr 2030 um fast 60 Millionen Tonnen CO₂ von seinem gesetzlichen Klimaziel ab. Diese Lücke ist jedoch zu einem erheblichen Teil nicht das Ergebnis falscher Bewirtschaftung, sondern naturgesetzlicher Realitäten: Der deutsche Wald altert, wächst im Klimawandel langsamer zu und muss aktiv umgebaut werden. All das mindert seine Speicherleistung – unabhängig davon, wie viel politischer Wille dahintersteht. Der Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik (WBW) beim Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) hat die entsprechenden LULUCF-Einsparziele deshalb bereits als unrealistisch bewertet. Statt die Ziele an die wissenschaftliche Realität anzupassen, hält die Bundesregierung an ihnen fest und versucht, die Lücke durch Nutzungseinschränkungen zu schließen – während die eigentlichen Problemsektoren Verkehr und Gebäude ihre Ziele ebenfalls massiv verfehlen, ohne vergleichbar scharf reguliert zu werden.
Ausdrücklich positiv zu bewerten ist, dass die Holzbauinitiative des Bundes als eigenständige Klimaschutzmaßnahme verankert ist. Erfreulich ist zudem, dass die Effizienzhaus-55-Förderung bereits seit Dezember 2025 läuft und baureife Projekte aus dem Bauüberhang mit 800 Millionen Euro unterstützt. Auch die Förderung von Investitionen in die Dekarbonisierung der industriellen Prozesswärme und Elektrifizierungstechnologien eröffnet Unternehmen der Holzindustrie konkrete Modernisierungsperspektiven.
Der HDH fordert die Bundesregierung deshalb auf, die LULUCF-Klimaziele an die wissenschaftliche Realität der Waldentwicklung anzupassen und die Flächenkulisse für Nutzungsverzicht und Extensivierung öffentlicher Laubwälder transparent, verbindlich und im Einklang mit einer nationalen Rohstoffstrategie für die Holzwirtschaft zu begrenzen. Im Bereich Holzbau gilt es, die Holzbauinitiative mit einem konkreten Finanzierungsrahmen und messbaren Zielen zu unterlegen sowie eine Expertengruppe Wald, Holz und Klima unter paritätischer Einbeziehung der Holzwirtschaft einzusetzen.
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