Die Transformation des Forstbetriebs erfordert neue Kompetenzen
Warum die Freiburger Professuren für Forstliche Verfahrenstechnik und für Forstliche Nutzung unverzichtbar sind
Die Diskussion über die zukünftige Struktur der forstwissenschaftlichen Ausbildung an der Universität Freiburg stellt zwei vakante Professuren an der Fakultät für Umwelt und natürliche Ressourcen in den Mittelpunkt: die Professur für Forstliche Verfahrenstechnik und die Professur für Forstliche Nutzung. Ihre Wiederbesetzung ist aktuell gefährdet, aber von zentraler Bedeutung für den gesamten Cluster Forst & Holz in Deutschland, denn beide Fachgebiete arbeiten an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis.
Die Forstliche Verfahrenstechnik beschäftigt sich mit den technischen und organisatorischen Prozessen der Holzbereitstellungskette. Dabei geht es längst nicht mehr nur um klassische Holzernteverfahren. Die Disziplin hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer eigenständigen Ingenieurwissenschaft entwickelt, die sich auch mit Themen wie der Digitalisierung der Holzlieferkette und neuen Transportmodellen für Holzströme beschäftigt. Damit bildet sie eine entscheidende Grundlage für die „Precision Forestry“ oder den „Wald 4.0“.
Die Professur für Forstliche Nutzung (zwischenzeitlich „Forstliche Biomaterialien“) ergänzt diese Perspektive um die Verbindung zwischen biologischer Produktion im Wald und der industriellen Nutzung des Rohstoffs Holz. Hier werden die Zusammenhänge zwischen Waldbau und Holzeigenschaften erforscht sowie die weitere Verwendung des Holzes entlang der Wertschöpfungskette.
In der Kombination von wissenschaftlicher Analyse und praktischer Anwendung steckt auch die wissenschaftliche Exzellenz beider Disziplinen, die zu wichtigen Innovationen geführt hat. Dazu gehören digitale Holzlogistiksysteme, neue Messmethoden für Holzqualität, moderne Harvester-Technologien oder automatisierte Inventurverfahren.
Diese Exzellenz gewinnt vor dem Hintergrund des Klimawandels erheblich an Bedeutung. Denn eine klimaneutrale Wirtschaft setzt zunehmend auf biobasierte Rohstoffe wie Holz. Doch die Transformation funktioniert nur, wenn Holzqualitäten, Produktionsprozesse und Lieferketten wissenschaftlich verstanden und optimiert werden.
Außerdem werden für den notwendigen Umbau der Waldökosysteme neue Baumarten eingeführt. Mischwälder ersetzen mehr und mehr Reinbestände und Bewirtschaftungssysteme verändern sich. Diese Transformation hat Auswirkungen auf Holzernteverfahren, die Logistik und die Rohholzsortierung sowie die industrielle Nutzung des Holzes insgesamt. Nicht zuletzt deswegen der gesamte Cluster Forst und Holz Absolventen, die in der forstlichen Verfahrenstechnik und Nutzung ausgebildet sind.
In Deutschland existieren nur vier Universitäten mit vollständigen forstwissenschaftlichen Studiengängen. Eine Reduktion praxisnaher Fachgebiete in Freiburg würde also die Breite des Studienangebots in ganz Deutschland verringern. Damit wird die Fähigkeit einer gesamten Forschungsdisziplin geschmälert, die Wertschöpfungskette Wald und Holz wissenschaftlich abzubilden. Die Wiederbesetzung der Professuren für Forstliche Verfahrenstechnik und für Forstliche Nutzung an der Universität Freiburg ist deshalb unerlässlich für eine zukunftssichere Forst- und Holzwirtschaft in Deutschland.
