Berlin nach der Wahl – Was der Sieg der Linken für die Bauwirtschaft bedeutet
Die Wahl in Sachsen-Anhalt hat gezeigt, wie stark sich die politische Landschaft in Deutschland verändert. Zwei Wochen später lieferte die Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 ein ähnlich deutliches Ergebnis: Die Linke wird stärkste Kraft, die CDU landet auf Platz zwei, die AfD vor Grünen und SPD auf Rang drei. Das bisherige Bündnis aus CDU und SPD ist abgewählt.
Bislang wollen nur Linke, Grüne und SPD Koalitionsgespräche führen. Anders als bei früheren rot-rot-grünen Bündnissen wäre diesmal die Linke mit Abstand stärkste und die SPD kleinste Kraft. Damit rückt eine für Wirtschaft und Bauwirtschaft zentrale Frage in den Mittelpunkt: Wird Berlin enteignen?
Die Linke hat mit ihrer designierten Regierenden Bürgermeisterin Elif Eralp Enteignungen als unverhandelbar bezeichnet. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach hatte sich im Wahlkampf dagegen positioniert, allerdings fordert ein SPD-Parteitagsbeschluss von 2023 Enteignungen ausdrücklich. Auch der Spitzenkandidat der Grünen hat sich dafür ausgesprochen.
Für die Bauwirtschaft ist das entscheidend. Mehr sozialer Wohnungsbau durch kommunale Unternehmen kann zusätzliche Aufträge schaffen. Vergesellschaftungen würden dagegen private Investitionen beeinträchtigen. In den vergangenen zehn Jahren errichteten landeseigene Unternehmen rund 20 Prozent, privatwirtschaftliche Wohnungsunternehmen rund 42 Prozent der Berliner Neubauten.
Die Linke will den Wohnungsmarkt stärker in öffentliche Hand verlagern. Landeseigene Unternehmen sollen jährlich bis zu 7.500 Wohnungen bauen, bei Zielmieten von 6 bis 12 Euro/m². Damit würde allerdings nur gut die Hälfte des jährlichen Bedarfs gedeckt. Angesichts hoher Neubaukosten müssten niedrige Mieten zudem dauerhaft öffentlich mitfinanziert werden.
Das belastet aber den Haushalt intensiv. Berlin kann den benötigten Wohnungsbau nicht allein öffentlich finanzieren und ist auf privates Kapital angewiesen. Der Wohnungsmarkt ist also auf private Investitionen angewiesen. Aber laut einer Umfrage des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen spielte die Enteignungsfrage bei 77 Prozent der befragten Unternehmen bereits eine zentrale Rolle in Finanzierungsgesprächen. 37 Prozent hatten Investitionen zurückgestellt; betroffen waren 3.480 geplante Wohnungen.
Finanziell steht Berlin bereits unter erheblichem Druck. Die Schulden liegen bei rund 67,2 Milliarden Euro und sollen bis 2029 auf rund 84 Milliarden Euro steigen. Allein 2025 zahlte das Land mehr als eine Milliarde Euro Zinsen. Enteignungen könnten nach einer Berechnung des Berliner Senats aus dem Jahr 2020 zudem bis zu 36 Milliarden Euro kosten. Die Finanzierung müsste voraussichtlich weitgehend über Kredite erfolgen. Gleichzeitig würden Mittel gebunden, die für Neubau und Wohnungsbauförderung fehlen könnten.
Damit wird klar, dass die Päne der Linke eine Katastrophe für die Berliner Wohnungssituation und Bauwirtschaft sind: Berlin muss erheblich mehr Wohnungen bauen, verfügt selbst aber nur über begrenzte finanzielle Spielräume und ist deshalb vor allem auf private Investitionen angewiesen.
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