Abgaben essen Lohn auf – Das große Standortproblem Deutschlands
Deutschland hat ein Problem, dass Beschäftigte als auch Unternehmen betrifft. Arbeit wird immer teurer, ohne dass beim Beschäftigten im gleichen Umfang mehr verfügbares Einkommen ankommt. Gleichzeitig steigen die Belastungen der sozialen Sicherungssysteme weiter. Damit verbunden ist sowohl die Frage der Wettbewerbsfähigkeit für Unternehmen, als auch die Frage der Gerechtigkeit für Arbeitnehmer.
Zwischen 2015 und 2025 stiegen die Arbeitskosten in Deutschland um rund 39 Prozent. Noch stärker entwickelten sich die Lohnnebenkosten: Sie erhöhten sich im gleichen Zeitraum um rund 48 Prozent. Die Bruttoverdienste nahmen dagegen nur um rund 36 Prozent zu. 2025 kostete eine geleistete Arbeitsstunde Unternehmen in Deutschland durchschnittlich 45 Euro. 2020 waren es noch 36,80 Euro. Gleichzeitig steigt die Belastung durch die Sozialversicherung. Für 2026 liegt der Gesamtsozialversicherungsbeitrag bereits bei mehr als 42 Prozent.
Was diese Belastung konkret bedeutet, zeigt ein Beispiel:
Ein Beschäftigter verdient 45.000 Euro brutto im Jahr. Erhält er eine Gehaltserhöhung von 2.500 Euro und verdient künftig 47.500 Euro, muss sein Arbeitgeber nicht nur die zusätzlichen 2.500 Euro finanzieren.
Durch die damit steigenden Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung erhöht sich der Aufwand des Unternehmens um mehr als 3.000 Euro pro Jahr. Weitere lohnabhängige Kosten können noch hinzukommen.
Für den Beschäftigten wiederum sieht die Rechnung so aus: Von den 2.500 Euro Brutto zusätzlich bleiben bei einem alleinstehenden Arbeitnehmer ohne Kinder lediglich rund 1.300 Euro Netto zusätzlich.
Das Unternehmen muss also mehr als 3.000 Euro zusätzlich aufwenden, damit beim Beschäftigten rund 1.300 Euro mehr im Jahr ankommen.
Oder noch einfacher ausgedrückt: Von 100 Euro zusätzlichen unmittelbaren Arbeitgeberkosten erreichen nur 41 Euro den Arbeitnehmer.
Genau hier zeigt sich das betriebswirtschaftliche Problem der hohen Belastung des Faktors Arbeit: Eine für den Beschäftigten spürbare Gehaltserhöhung verursacht beim Unternehmen einen mehr als doppelt so hohen zusätzlichen Aufwand wie der Betrag, der letztlich netto beim Beschäftigten ankommt.
Für den Produktionsstandort Deutschland ist diese Entwicklung besonders problematisch. Industrieunternehmen stehen im internationalen Wettbewerb und können steigende Arbeitskosten nicht beliebig über höhere Preise weitergeben. Wächst die Kostenbelastung am Standort Deutschland dauerhaft stärker als bei internationalen Wettbewerbern, verschlechtert sich die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Produktion. Gerade für personalintensive Teile der industriellen Wertschöpfung steigt damit das Risiko, dass Investitionen, Produktion und Arbeitsplätze künftig nicht mehr in Deutschland entstehen oder schrittweise an andere Standorte verlagert werden.
Und eine Entspannung ist derzeit nicht absehbar. Nach Projektionen des Sachverständigenrates könnte der Gesamtsozialversicherungsbeitrag ohne entsprechende Reformen bis 2030 auf mehr als 45 Prozent steigen. Perspektivisch droht eine noch höhere Belastung. Damit würde sich der bestehende Effekt weiter verschärfen: Arbeit wird für Unternehmen teurer, während vom zusätzlichen Aufwand nur ein Teil als verfügbares Einkommen beim Beschäftigten ankommt.
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