Wohnungsbau: Verbändebündnis fordert verlässliche Förderung statt neuer Kürzungen
Berlin, 05. November 2026. Gemeinsam mit den anderen Verbänden im Bündnis „Impulse für den Wohnungsbau“ fordert der Hauptverband der Deutschen Holzindustrie und Kunststoffe verarbeitenden Industrie (HDH), die Neubauförderung verlässlich zu finanzieren und die im Bundeshaushaltsentwurf 2027 vorgesehenen Kürzungen abzuwenden. In einem gemeinsamen Positionspapier verlangt das Bündnis zudem einfachere und einheitlichere Bauvorschriften sowie bessere Bedingungen für Investitionen in Neubau und Modernisierung. Für die Holz- und Kunststoffe verarbeitende Industrie ist entscheidend, dass industrielle Vorfertigung, serielles Bauen und moderne Bauelemente stärker zur Überwindung der Wohnungsbaukrise beitragen können.
„Unsere Unternehmen können mit vorgefertigten Bauteilen und seriellen Bauweisen dazu beitragen, schneller und wirtschaftlicher Wohnraum zu schaffen. Dafür brauchen Bauherren und Hersteller verlässliche Investitionsbedingungen. Wer den Wohnungsbau beschleunigen will, darf nicht gleichzeitig die Neubauförderung kürzen. Das schafft neue Unsicherheit und belastet neben der Bauwirtschaft auch die Hersteller von Fenstern, Türen, Böden und Möbeln“, erklärt HDH-Hauptgeschäftsführer Dr. Denny Ohnesorge.
Das Bündnis erwartet für 2026 weniger als 200.000 fertiggestellte Wohnungen. Das wären über 100.000 weniger als im Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2023. Die schwache Bautätigkeit führt zu fehlenden Aufträgen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Förderung sichern und Finanzierung erleichtern
Das Bündnis fordert, die bestehenden Förderprogramme bis zum Start eines neuen Fördersystems verlässlich auszufinanzieren. Die angekündigte Weiterführung der EH55-Plus-Förderung ist dabei ein wichtiger Schritt. Künftig sollen sich sowohl die KfW-Neubauförderung als auch die Sonderabschreibung für den Mietwohnungsneubau an der Effizienzhausstufe 55 orientieren. Damit soll die Förderung bezahlbares Bauen in der Breite ermöglichen und einfacher zugänglich werden.
Ergänzend fordert das Bündnis Garantien und Finanzierungsinstrumente, die fehlendes Eigenkapital teilweise ersetzen und damit Bauvorhaben erleichtern. Familien und Ersterwerber sollen beim Erwerb selbstgenutzten Wohneigentums durch Darlehen, Bürgschaften und eine Begrenzung der Grunderwerbsteuerbelastung gezielt unterstützt werden.
Einheitliche Regeln für industrielles und serielles Bauen schaffen
Um Baukosten zu senken, drängt das Bündnis auf eine schnelle, rechtssichere und technologieoffene Umsetzung des Gebäudetyps E. Einfachere Bauweisen müssen sich verlässlich vereinbaren und praktisch umsetzen lassen. Zugleich sollen die Landesbauordnungen weiter angeglichen und bewährte Vereinfachungen aus einzelnen Ländern breiter übernommen werden.
„Industrielle Vorfertigung kann ihre Stärken besonders dann ausspielen, wenn sich bewährte Lösungen wiederholt einsetzen lassen. Unterschiedliche Anforderungen in den Ländern erschweren das. Wer serielles und modulares Bauen voranbringen will, muss die bauordnungsrechtlichen Voraussetzungen dafür vereinheitlichen“, betont Ohnesorge.
Zusätzliche Möglichkeiten für den Wohnungsbau bietet der Gebäudebestand. Das Bündnis fordert deshalb, Aufstockungen, Nachverdichtungen und Umnutzungen durch ein praxistaugliches Umbaurecht zu erleichtern. Damit lassen sich auch neue Einsatzmöglichkeiten für vorgefertigte Bauteile und den industriellen Innenausbau erschließen.
Energetische Modernisierung als Absatzmarkt stärken
Neben dem Neubau braucht auch die energetische Modernisierung verlässliche Rahmenbedingungen. Das Bündnis fordert, Sanierungen an Gebäuden mit hohem Energieverbrauch besonders anzureizen und Ungleichgewichte in der Bundesförderung für effiziente Gebäude zu beseitigen. Die Mittel des Klima- und Transformationsfonds müssen langfristig auch für die energetische Modernisierung gesichert werden. Energieeffizienz und klimaneutrale Wärmeversorgung sind gemeinsam voranzubringen.
„Für unsere Hersteller von Fenstern, Türen und weiteren Bauelementen ist die Modernisierung ein zentraler Markt. Eigentümer brauchen Planungssicherheit, damit aus Sanierungsbedarf konkrete Aufträge werden. Die Bau-, Finanz- und Haushaltspolitik muss Investitionen wieder ermöglichen – im Neubau ebenso wie im Bestand“, so Ohnesorge.
