Paradox: Die KfW fördert das energetisch schlechtere Haus mit einem günstigerem Zinssatz
Berlin, 2. Juli 2026. Seit die KfW im Dezember 2025 die befristete Förderstufe Effizienzhaus 55 (EH55) wiedereingeführt hat, um den Bauüberhang von rund 760.000 genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen abzubauen, ist im Programm „Klimafreundlicher Neubau“ (KFN) ein förderpolitischer Widerspruch entstanden: Während der Zins für das energetisch schlechtere EH55-Haus bei 1,00 Prozent eingefroren blieb, stieg der Zins für das bessere EH40-Haus marktbedingt auf mittlerweile 1,49 Prozent. Wer klimafreundlicher baut, zahlt damit drauf und zwar mit einem Zinsnachteil von 0,49 Prozentpunkten. Das BMWSB hat die EH55-Förderung zudem am 22. Juni 2026 bis spätestens 31. Dezember 2026 verlängert – die Zinsdiskrepanz besteht damit voraussichtlich bis zum Jahresende fort.
Der HDH hat die Entwicklung in einem Hintergrundpapier dokumentiert und berechnet. Bei einem Einfamilienhaus summieren sich die Mehrkosten auf rund 3.250 Euro, bei einem Bauprojekt mit 20 Wohneinheiten auf knapp 65.000 Euro über die zehnjährige Zinsbindung.
Besonders brisant: Holzbauten erfüllen den EH40-Standard oft ohne Mehraufwand und weisen in der Herstellungsphase rund 45 Prozent geringere CO₂-Emissionen auf als vergleichbare Massivbauten. Die aktuelle Förderlogik benachteiligt damit ausgerechnet die klimafreundlichere Bauweise und läuft dem ab 2030 gesetzlich verpflichtenden Nullemissionsgebäude-Standard zuwider, auf den die Neubauförderung eigentlich hinsteuern sollte.
Der HDH fordert eine befristete Absenkung des EH40-Zinses auf das Niveau der EH55-Förderung – haushaltsneutral im Rahmen bestehender Bundesmittel und ohne Änderung der Förderrichtlinie umsetzbar, wie KfW und BMWSB im März 2026 bereits selbst gezeigt haben.
Die vollständige Analyse mit allen Berechnungen veröffentlicht der HDH als Analyse auf seiner Website.